Tag archives: Genderzentrum

Nikita Dhawan – Gendering Post/Kolonialismus, Decolonising Gender

Der Vortrag von Prof. Dr. Nikita Dhawan „Gendering Post/Kolonialismus, Decolonising Gender“ am 28.04.2010 in Marburg hier zum nachhören. Mehr Informationen zur Ringvorlesung des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung unter: http://www.uni-marburg.de/genderzukunft/

Referent/Beteiligte:

Prof. Dr. Nikita Dhawan – Politikwissenschaft, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

Weitere Informationen:

Die Ringvorlesung „Gender Studies und feministische Wissenschaft“ ist interdisziplinär und wird von Lehrenden verschiedener Fachbereich der Philipps-Universität Marburg sowie von Gastdozentinnen und -dozenten anderer Universitäten gestaltet. Die ReferentInnen und die Themen der weiteren Vorträge im Rahmen der Ringvorlesung finden Sie hier. Die Veranstaltung findet jeweils Donnerstag von 18:00 bis 20:00 Uhr im Hörsaalgebäude, Biegenstr. 14, Raum HG 207 statt.

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Heinz-Jürgen Voss – Das Geschlecht der Gleichen

Einen Audio-Mitschnitt des Vortrags von Heinz-Jürgen Voss “Das Geschlecht der Gleichen. Entsprechungen und Gleichheit von Mann und Frau in biologischen Geschlechtertheorien” am 21.04.2010 in Marburg können Sie ab sofort als Podcast anhören.

Referent/Beteiligte:

Dr. Heinz-Jürgen Voss – Biologie, Universität Bremen

Weitere Informationen:

Historische Arbeiten neuerer Geschlechterforschung, die sich biologisch-medizinischen Geschlechtertheorien zuwandten, haben Geschlechterdifferenz betont. So arbeiteten Thomas Laqueur, Londa Schiebinger und Claudia Honegger heraus, dass ab etwa 1800 in solchen Theorien „Frau“ und „Mann“ anatomisch und physiologisch deutlich unterschieden worden seien, auch deutlicher als in den Jahrhunderten zuvor. Theorien die mehr Gewicht auf die Entsprechung und Gleichheit von „Frau“ und „Mann“ legten wurden in diesen Arbeiten als vereinzelte Zwischenrufe kenntlich gemacht. Das waren sie keineswegs.Mit einem einseitigen Blick auf Differenz fokussierende Arbeiten trägt man dazu bei, dass die Annahme gestärkt wird, dass „biologisches Geschlecht“, dass Differenz zweier Geschlechter „natürlich“ – im Sinne von vorgegeben und unabänderlich – sei. Daher wird in diesem Input ein anderer Blick eröffnet: Es wird explizit auf Entsprechung und Gleichheit in biologisch-medizinischen Geschlechtertheorien geschaut. Es wird herausgestellt, wie um 1800 für „Frau“ und „Mann“ ein gleichwertiger Beitrag zur Zeugung beschrieben wurde, dies in Abkehr von Präformationstheorien. Es wird ausgeführt, wie um 1800 oftmals die „weiblichen“ und „männlichen“ Genitalien als sich entsprechend bzw. zumindest mit einem gemeinsamen embryonalen Ursprung herausgestellt wurden. Es wird deutlich gemacht, wie die Sichtweise eines gemeinsamen Ursprungs in der Entwicklungsbiologie Verbreitung fand und heute eine anerkannte Sichtweise in der Entwicklungsbiologie darstellt. Und es wird herausgearbeitet, dass auch heutige Geschlechtertheorien mehr und mehr nur noch den Schluss zulassen: Differenz zweier Geschlechter gibt es nicht. Es wird zu einer breiten Diskussion über biologisch-medizinische Geschlechtertheorien und ihre gesellschaftliche Herstellung angeregt. Was heißt es, wenn Menschen nach Geschlecht nicht mehr in zwei oder wenige Gruppen unterschieden werden können?

mehr Informationen auf : http://www.uni-marburg.de/genderzukunft/

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Das Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung

Original erschienen bei der Aktiven Fachschaft Politikwissenschaft:

Letzte Woche haben wir uns mit dem Team des Zentrums für Genderstudies und feministische Zukunftsforschung getroffen. Wir haben mit Anja Lieb, Eva Berendsen und Daniela Kreutter ein interessantes Gespräch über die Entstehungsgeschichte, die aktuellen Aktivitäten und auch Ansatzpunkte für eine eventuelle Mitarbeit von euch geführt.

Von den aktuellen Aktivitäten sind meiner Meinung nach besonders die Gender Lectures hervorzuheben. Das Hauptthema ist Kritik – Emanzipation – Utopie. Die nächste Sitzung findet am 12.01. Andrea Maihofer statt. Die letzte Veranstaltung mit Frieda Haug könnt ihr sogar gleich hier nachhören.

Wir hoffen das euch das Gespräch gefallen hat. Kritik, Anmerkungen und Kommentare sind natürlich weiterhin gern gesehen.

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Frigga Haug – Wohin ging die Erbschaft aus der verschwundenen Frauenbewegung? Versuch einer Wiederaneignung in feministischer Perspektive

Die „Grand Dame“ des marxistischen Feminismus zu Besuch in Marburg: Frigga Haug, eremitierte Professorin für Soziologie an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik, erörterte am Dienstagabend in der Philipps-Universität die Frage „Wohin ging die Erbschaft der verschwundenen Frauenbewegung?“. Rund 200 Interessierte waren zu dem Vortrag der aktiven Feministin und Sozialistin Haug gekommen, der zugleich den Auftakt der Veranstaltungsreihe „Gender Lectures“ des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität bildete: Unter dem Titel „Kritik – Emanzipation – Utopie“ werden in diesem Rahmen im Laufe des Wintersemesters ausgewiesene Expertinnen zentrale Fragestellungen des Feminismus und der Gender Studies behandeln. Frigga Haug steht dabei für eine marxistische Strömung des Feminismus; die 72jährige habe sich stets bemüht, „den Linken den Feminismus und den Feministinnen linke Perspektiven beizubringen“, wie es Ingrid Kurz-Scherf, Professorin am Institut für Politikwissenschaft und geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung umschrieb.

Haug lieferte in ihrem Vortrag eine Interpretation der Gründe für den Niedergang des Feminismus und der Frauenbewegung: Einerseits seien in der öffentlichen Debatte Zerrbilder von den „lustfeindlichen Lila-Latzhosenträgerinnen“ produziert worden. Feminismus sei für junge Frauen somit kein attraktives Projekt, eher „der Apfel, den man nicht essen sollte“. Andererseits hieße es landläufig, Frauen hätten angesichts ihrer starken Präsenz in Talkshows etc. die Macht sowieso bereits übernommen. Haug hielt diesen Zerrbildern Zahlen von UniFem entgegen, die eine andere Realität offenbaren: Das Verhältnis von Männern und Frauen an Regierungen fiele weltweit mit 4:1 enttäuschend aus, die Unterdrückung der Frauen bestehe global weiter fort, etwa 2/3 aller Frauen würden weltweit im Laufe ihres Lebens Opfer von sexueller Gewalt. Trotz der globalen Missstände existiere aber keine schlagkräftige Frauenbewegung mit sozial-emanzipatorischen Ansprüchen mehr – diese sei vielmehr beerbt worden durch nicht-linke Strömungen wie dem „konservativen Feminismus“ einer Familienministerin v. d. Leyen oder der ehemaligen TV-Sprecherin Eva Hermann, sowie dem „Elitefeminismus“, vertreten durch die Journalistin Thea Dorn, welcher Leistungsfähigkeit, Selbstbewusstsein und Individualisierung von Frauen beschwöre und somit dem Neoliberalismus in die Hände gespielt habe. Die Frauenbewegung habe aber immer mehr gewollt als „nur Gleichstellung“ – sie habe für eine andere Gesellschaft gekämpft. Gegen das derzeitig vorherrschende kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, das nur Arbeit im Produktionssektor als solche anerkennt und den Bereich von Hausarbeit und Pflege abwertet, schlug Haug ein Alternativ-Modell vor, welches sie in ihrem Buch „Die 4-in-einem-Perspektive“ ausbuchstabiert hat: Mit der Forderung „Teilzeitarbeit für alle“ hätten die Menschen größere Möglichkeiten, sich der Haus- und Familienarbeit, kreativen und genießerischen Tätigkeiten, und nicht zuletzt politischen Aktivitäten zu widmen.

Organisatorinnen und Beteiligte der Veranstaltung sind gespannt, ob und wie sich diese Vision der feministischen Marxistin Haug mit den Ideen der anderen Wissenschaftlerinnen zusammenbringen lassen, die zu den „Gender Lectures“ in diesem Wintersemester geladen sind: Am 12.01.2010 spricht Prof. Dr. Andrea Maihofer (Univeristät Basel) über „Prekarität feministischer Kritik“, am 26.01.2010 Prof. Dr. Cornelia Klinger (Universität Tübingen) über „Unzeitgemäße Betrachtungen über die Möglichkeit einer Theorie des Patriarchats“ und am 02.02.2010 Prof. Dr. Barbara Holland-Cunz (Universität Gießen) über „Krisen und Utopien“. Die Vorträge sind öffentlich und finden um 20h c.t. im HS 207 im Hörsaalgebäude, Biegenstraße 14, statt.

Text: Eva Behrendsen – Oberhessische Presse, Freitag, 30. Oktober, S. 2

Mehr Informationen unter: http://www.uni-marburg.de/genderzukunft/

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Kerstin Palm – Was kann die biologische Forschung über Geschlechterunterschiede aussagen?

Die biologische Forschung gilt als objektive und zuverlässige Lieferantin von Faktenwissen über den lebenden Körper. Deswegen erscheinen ihre Ergebnisse gerade in Zeiten einer vermehrten Debatte über Geschlechteridentitäten als letzte Zuflucht, um sich im Dickicht divergierender Meinungen und unterschiedlicher Identitätsangebote zu orientieren. “Was kann die biologische Forschung über Geschlechterunterschiede aussagen?” zu dieser Frage hat die promovierte Biologin und habilitierte Kulturwissenschaftlerin Kerstin Palm am 17.11.2009 in Marburg vorgetragen und mit einem interessierten Publikum diskutiert.

Kerstin Palm machte in ihrem Vortrag zur Biologie deutlich, dass auch die Ergebnisse biologischer Forschung als Produkte einer Kultur bedingten Naturauslegung gelesen werden müssen, die durch gesellschaftlich Machtverhältnisse geprägt sind. Am Beispiel der aktuellen Gehirnforschung gab sie einen anschaulichen Einblick in die Arbeitsweise der kritischen Geschlechterforschung in der Biologie, der zugleich dazu anregen sollte, selbst einen kritischen Blick auf naturwissenschaftliche Ergebnisse zu entwickeln und die in Umlauf befindlichen Forschungsergebnisse angemessen zu beurteilen.

Mehr Informationen unter: http://www.uni-marburg.de/genderzukunft/

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